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16.08.2017

Brandschutzschalter: Mehr Sicherheit als entscheidender Trumpf

Vielerorts wurde in den vergangenen Wochen eine Debatte über Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen – kurz Brandschutzschalter – geführt. Auch diverse Medien haben das Thema aufgegriffen, dabei aber nicht immer alle Fakten korrekt widergegeben. Teilweise war sogar eine tendenziöse Berichterstattung festzustellen, die vor allem vermeintlich steigende Baukosten in den Vordergrund rückte.

Der Einbau von Brandschutzschaltern erhöht maßgeblich die Sicherheit in Gebäuden.

Bild: www.siemens.com/presse

Stein des Anstoßes ist die Installationsnorm DIN-VDE 0100-420:2016-02. Sie definiert, in welche Bauten Brandschutzschalter mit einer Übergangsfrist bis zum 18.12.2017 einzubauen sind. Die normative Verpflichtung ist auf bestimmte Funktionsbauten beschränkt. Erfasst sind beispielsweise Schlafräume in Tageseinrichtungen für Kinder, Behinderte oder Senioren sowie barrierefreie Wohnungen, in denen Menschen mit individuellen Einschränkungen leben. Ebenfalls gefordert werden Brandschutzschalter bei besonderen Brandrisiken, wie etwa bei der Verwendung von brennbaren Baustoffen, der Verwendung von unersetzbaren Gütern oder bei einem Feuerrisiko durch verarbeitete oder gelagerte Materialien. Es geht somit durchweg um Anwendungsfälle, in denen der Schalter erhöhten Schutzanforderungen gerecht wird.

Die Verpflichtung beschränkt sich zudem auf neu zu errichtende Anlagen und einphasige Stromkreise bis 16 Ampere. In den dort eingesetzten Verteilerkästen sind ausreichend Bauräume zum Einbringen der Brandschutzschalter vorhanden. Platzmangel und Mehrkosten für größere Verteilerkästen sind demnach nicht zu befürchten.

Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass durch sonstige bauliche Maßnahmen – zum Beispiel die Abschottung der gesamten elektrischen Anlage – nicht unerhebliche Kosten entstehen. In der Regel fallen diese deutlich höher aus, als der Einbau eines Gerätes zur Überwachung von Fehlerlichtbögen. Keine andere technische Maßnahme kann daher die Leistung eines Brandschutzschalters zu gleichen Kosten in gleicher Weise gewährleisten.

Die Schalter sind eine Innovation im Bereich des Brandschutzes und schließen mit relativ geringem Aufwand eine Sicherheitslücke. Sie überwachen nicht nur die Anlage selbst, sondern auch die angeschlossenen Steckergeräte sowie Lampen und Leuchten. Auch der Schutz bei nachträglich in Gebäude eingebrachten entzündlichen Gegenständen wird erhöht. Der Brandschutzschalter schaltet bei einem Defekt in der Anlage oder einem angeschlossenen Gerät den Stromkreis ab, bevor ein Brand entsteht.

Es ist damit zu rechnen, dass die Schalter schnell eine hohe Akzeptanz im Markt erreichen werden. In der Folge wird daher der Einbau in den durch die Normen definierten Fällen zur anerkannten Regel der Technik. Gleichwohl ist die neue Norm, wie auch alle anderen Normen, zunächst eine rein privatrechtliche Regelung und unterliegt als solche der freiwilligen Anwendung. Sie gibt keinen baurechtlichen Brandschutz vor, so dass die Baubeteiligten weiterhin in eigener Verantwortung über die Anwendung entscheiden können.

Auch wenn die Einhaltung der Norm somit gesetzlich nicht verpflichtend ist, birgt sie jedoch die Vermutung in sich, korrekt gearbeitet zu haben. Die Normung erhöht damit für Installationsbetriebe und Betreiber die Rechtssicherheit bei der Anwendung des Brandschutzschalters und bei der Frage nach der Gewährleistung des erforderlichen Brandschutzes. Keinem Handwerksbetrieb oder Betreiber einer elektrischen Anlage kann empfohlen werden, auf diesen Schutz zu verzichten: Mit Blick auf die erhöhte Sicherheit, rückt die Frage der Verpflichtung – und letztlich auch die Frage nach den Kosten – klar in den Hintergrund.

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